Berufsorientierung für Geflüchtete

Am 6. November nahm das Studierendenwerk an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Arbeiten in Deutschland − Erwartungen von Arbeitgebern an Auszubildende und Mitarbeitende“ teil und berichtete über Erfahrungen aus der Praxis. Die Diskussion war Teil der Vortragsreihe „Arbeitsmarktzugang für geflüchtete Menschen“, die über mehrere Monate in der Aachener Citykirche stattfand und sich an Geflüchtete, Ehrenamtliche und Interessierte richtete. Referiert wurde dabei unter anderem über Voraussetzungen, die Geflüchtete mitbringen müssen, um in Deutschland beruflich Fuß zu fassen. Als versierter Ansprechpartner stellte sich das Studierendenwerk vor, das zwei junge Menschen ausbildet, die vor einigen Jahren als Geflüchtete nach Deutschland kamen. Seit August machen beide eine sogenannte assistierte Ausbildung (AsA) im gastronomischen Bereich, bei der sie nicht nur vom Studierendenwerk unterstützt werden: Die AsA wird von der Arbeitsagentur gewährt und finanziert und den Auszubildenden stehen dabei sowohl die Jugendberufshilfe der Stadt Aachen als auch IN VIA Aachen e.V. zur Seite.

Stefanie Claveria, Ausbildungsleiterin im Studierendenwerk, und Gregor Neumann, Ausbilder und Abteilungsleiter Gastronomie, erzählten dem aufmerksamen Publikum anschaulich, wie das Studierendenwerk den Azubis unter die Arme greift. Neumann schilderte den Fall des 23-jährigen Ziakhan Safie, der sich in der Hochschulgastronomie zum Koch ausbilden lässt. Ihn hatte das Studierendenwerk bei einem sogenannten Speed-Dating für Ausbildungsanwärter kennengelernt, wo der seit 2011 in Deutschland lebende Afghane vor allem mit seinen guten Deutschkenntnissen einen positiven Eindruck hinterließ. Seine Berufsschullehrer attestierten ihm eine engagierte Arbeitsweise – diese konnte er kurz darauf während eines Praktikums in der Küche unter Beweis stellen, sodass Neumann ihm einen festen Ausbildungsvertrag zusicherte.

Grundsätzlich sei Hilfe von vielen Seiten erforderlich, so Neumann, da die Geflüchteten mit ganz besonderen Hindernissen zu kämpfen haben. Darüber wusste auch Stefanie Claveria zu berichten. Die Aufenthaltsgenehmigung ließe sich beispielsweise immer nur monatlich verlängern, sodass ein außergewöhnlich hoher Verwaltungsaufwand entstehe. Auch das Einrichten eines Bankkontos sei nicht einfach. Bei Ziakhan Safie ergaben sich darüber hinaus Probleme bei der Suche nach einer festen Bleibe.

In solchen Fällen ist das Studierendenwerk, das neben den Hochschulmensen auch Wohnheime für Studierenden betreibt, in der glücklichen Lage, unbürokratische Lösungen anzubieten. Klappt es beispielsweise nicht gleich mit einer Wohnung, kann übergangsweise ein Platz in einer der Wohnanlagen angemietet werden. Aber nicht nur bei rechtlichen und organisatorischen, sondern auch bei kulturellen Fragen steht das Studierendenwerk mit Rat und Tat zur Seite. Eine Rolle können beispielsweise religiöse Unterschiede spielen. Insbesondere im Küchenbereich kommt es deswegen nicht selten zu inneren Konflikten. Kompromisse, so Neumann, werden dann auf beiden Seiten gemacht. „Das Abschmecken von Schweinefleisch kann zwar während der Ausbildung noch von Kollegen übernommen werden. Sollte man jedoch irgendwann als alleiniger Koch in einer Einrichtung eingesetzt werden, wird man diesen wichtigen Arbeitsschritt nicht umgehen können.“

Das Fazit von Gregor Neumann ist jedoch ein äußerst positives. Denn er findet das Engagement der beiden Auszubildenden bemerkenswert. „Beide absolvieren ihre Ausbildung bisher, trotz aller Hürden, mit großer Motivation. Nicht jeder hätte dieses Durchhaltevermögen − so ganz ohne Vertrauensperson in einem fremden Land.“

Die Vortragsreihe ist eine Initiative des Arbeitskreises Arbeitsmarkt, zu der unter anderem die Stadt Aachen, die RWTH Aachen, die FH Aachen, die IHK Aachen sowie die Handwerkskammer Aachen gehören.

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