Das „Aachener Netzwerk Wahlgroßeltern“ stellt sich vor

Freuen sich auf Wahlgroßeltern (v. l.): Alina Goldmann, Sabine Müller, Heinz Zohren u. Gaby Schneider

Mit Großeltern aufzuwachsen, ist ein hohes Gut. Sie sind die besten Vorleser, sie kochen den leckersten Kakao und man kann den herrlichsten Quatsch mit ihnen machen. Es gibt jedoch Familien, denen diese wertvolle Unterstützung im Alltag versagt bleibt. Unter Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) soll nun das „Aachener Netzwerk Wahlgroßeltern“ ältere Menschen und junge Eltern ohne Familienanbindung auf direktem Wege zusammenführen. Engagierter Projektpartner ist unter anderem das Studierendenwerk Aachen.

Oma oder Opa zu sein, stellt für viele Senioren eine Bereicherung dar. „Gerade nach dem Renteneintritt oder dem Verlust des Partners suchen ältere Menschen nach neuen Aufgaben. Ihr Wunsch nach Integration und Beziehungen im Alltag ist groß. Nicht selten werden die Enkelkinder zum neuen Lebensmittelpunkt“, weiß Projektkoordinatorin Sabine Müller vom DRK. Das Problem: Im Gegensatz zu früher ist dieses Modell heute nicht mehr selbstverständlich, immer häufiger entzweien sich Familien durch den berufsbedingten Umzug in eine andere Stadt.

Genau hier soll das Konzept der Wahlgroßeltern ansetzen. Denn in einer „Wissenschaftsstadt“ wie Aachen leben nicht nur vitale und unternehmungslustige Senioren, sondern auch viele junge, zugezogene Eltern, denen eine direkte Familienanbindung vor Ort fehlt. „Unser Ziel ist es, beide Gruppen zusammenzubringen“, erklärt Sabine Müller. „Dabei geht es uns nicht um die Vermittlung günstiger Betreuungsmöglichkeiten. Wir möchten langfristige Beziehungen und einen intergenerativen Austausch schaffen, von dem beide Seiten profitieren.“ Dass Familien auch außerhalb der Kitazeit einen hohen Bedarf an Betreuung haben, hatte 2014 eine Umfrage ergeben, die im Rahmen der Aachener Initiative „Familiengerechte Kommune“ zum Thema Zeitmanagement erhoben wurde. Schnell reifte die Idee heran, mit dem Projekt „Wahlgroßeltern“ Alternativen zu schaffen. „Hier in Aachen leben rund 45.000 Aachener, die ihr 65. Lebensjahr überschritten haben – viele von ihnen wünschen sich Kontakt zu Kindern“, erzählt Initiator Heinz Zohren. Als Koordinator des Audits familiengerechte Kommune setzte er sich mit vielen Kooperationspartnern an den Tisch – darunter Familienzentren und Seniorenberatungsstellen –, um das Vorhaben auf den richtigen Weg zu bringen.

Eine der Projektbeteiligten ist Alina Goldmann. Sie macht sich aus ganz persönlichen Gründen für das Projekt stark. Mit 20 Jahren das erste Mal Mutter geworden, hat die Medizinstudentin mittlerweile drei kleine Söhne, die sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten großzieht. Ursprünglich stammt sie aus Bremen, ihr Partner aus Berlin, zum Studieren ging es vor einigen Jahren in die Kaiserstadt. Entlastung durch die Eltern, die Hunderte von Kilometern entfernt wohnen, gibt es im Alltag der jungen Familie nur selten. „Natürlich ist das schade“, so die 27-Jährige. „Unser tägliches Programm mit Uni, Kita und Freizeit ist eng getaktet. Auch wenn uns die Kita des Studierendenwerks in den letzten Jahren sehr geholfen hat, wünscht man sich hin und wieder feste Bezugspersonen wie Großeltern für die Kinder.“ Wahlgroßeltern hält die junge Mutter deswegen für eine tolle Sache. Sie ist davon überzeugt, dass dieses Modell auch einen Gewinn für die Senioren darstellt: „In erster Linie geht es darum, sich gegenseitig Zeit zu schenken!“

Raum für Begegnung
Große Unterstützung bieten sechs miteinander vernetzte Aachener Familienzentren, die künftig zielgruppenübergreifend als Beratungsstelle und Treffpunkt fungieren sollen. „Wir verstehen uns als Begegnungsstätte für die Wahlgroßeltern und Familien“, erklärt Gaby Schneider, Leiterin des Familienzentrums Pusteblume und Bereichsleiterin Kindertageseinrichtungen im Studierendenwerk. „Mit offenen Elterncafés möchten wir Möglichkeiten zum gegenseitigen Austausch schaffen.“ Auch denkt sie an einen Stammtisch und gemeinsame Freizeitaktionen. In dem Projekt sieht sie tolle Chancen. „Ich weiß, wie es ist, wenn die Kitas nicht mehr greifen, beispielsweise im Krankheitsfalle eines Kindes. Dann sind solche Partnerschaften Gold wert!“ Bevor es aber zu einer solchen kommt, gilt es, sich gut vorzubereiten. Schließlich müssen beide Seiten erst einmal herausfinden, ob die Chemie stimmt und der Wahlopa oder die Wahloma zur Familie passt. „Man braucht natürlich Geduld und Zeit zum Kennenlernen. Eine Beziehung lässt sich nicht von heut auf morgen aufbauen“, so Gaby Schneider. Auch praktisches Wissen werde verlangt: Kurse wie „Starke Wahlgroßeltern – starke Kinder“ und „Erste Hilfe am Kind“ sollen in mehreren Terminen im Umgang mit Kleinkindern schulen.

Wer sich für das Projekt interessiert, kann sich im ersten Schritt an die Koordinationsstelle des DRK wenden. Dort wird zunächst geschaut, wo der individuelle Bedarf liegt und welche Partnerschaften passen könnten − auch geographisch. Anschließend wird ein erstes Kennenlernen in einem der Familienzentren arrangiert. Ziel ist es, im Sommer die ersten Partnerschaften ins Leben zu rufen. Koordinatorin Sabine Müller ist zuversichtlich und hofft auf viele Interessierte: „Das wird eine ganz spannende Sache. Die neuen Omas und Opas sind herzlich willkommen!“

Kontakt:
Deutsches Rotes Kreuz
Kreisverband Städteregion aachen e.V.
Ansprechpartnerin: Sabine Müller
Tel. 0241/1802525
E-Mail: sabine.mueller@drk.ac

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