Studierende bauen Paradies für kleine Handwerker

Ein Gartenhaus, in dem nicht nur eine Menge Arbeit und Planung steckt, sondern auch viel Liebe zum Detail und eine große Leidenschaft fürs Bauen – im Rahmen ihrer Semesterarbeit opferten Architekturstudierende der RWTH Aachen monatelang einen Großteil ihrer Freizeit, um auf dem Grundstück des ehemaligen Botanischen Gartens eine neue Kita-Werkstatt zu errichten. Heute wurde das Häuschen mit den bunten Dachschindeln feierlich eingeweiht.

„Lehm und Stroh, Lehm und Stroh, ja, das macht die Studis froh“, lautete eine neu gedichtete Strophe eines altbekannten Handwerkerliedes, das die Kinder der Kita Königshügel voller Inbrunst auf ihrem Einrichtungsgelände zum Besten gaben. Gesungen haben sie es tatsächlich für ein Dutzend anwesender Studierender – zum Dank für ihr nagelneues Gartendomizil, eben aus Stroh, Holz und Lehm.

Entwicklung eines Forschungsprojekts
Insgesamt 28 Studierende der RWTH-Fakultät für Architektur nahmen an dem Selbstbauprojekt „Gartenhaus für die Kita“ teil, das sich mit Entwurf, Planung und Umsetzung über ganze drei Semester erstreckte. Dabei kam die Idee, auf dem unberührten Areal des ehemaligen Botanischen Gartens eine kleine Werkstatt zu errichten, von Kita-Leiter Wolfgang Dachtera selbst. „Mir schwebte schon lange vor, unseren Garten mit solch einem Objekt zu bereichern. Die Fläche ist wie dafür geschaffen“, schwärmte er. Eng verbunden mit der RWTH Aachen, die ihren Beschäftigten in der vom Studierendenwerk betriebenen Kita Betreuungsplätze anbietet, dachte er sofort an eine Kooperation mit der Hochschule. Dank des Einsatzes einer Mutter, die an der Fakultät für Architektur im Bereich Städtebau tätig ist, entstand ein erster Kontakt zum Lehrstuhl für Gebäudelehre und Grundlagen des Entwerfens.

Aus der Anfrage sollte sich schließlich eine vielfältige Forschungsarbeit in Form eines Selbstbauprojekts entwickeln. Bernadette Heiermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Lehrstuhls, entschied sich für den Bau eines kleinen Gartenhauses. „An diesem Projekt ließ sich prima erforschen, wie man aus nachhaltigen Materialien wie Stroh, Holz und Lehm vorgeformte Wandelemente fertigen kann, die den Wetter- und Klimabedingungen am Gebäudestandort Rechnung tragen und Schutz vor äußeren Einflüssen bieten“, erklärte sie. Dazu testeten die Studierenden im Vorfeld zahlreiche Prototypen – schließlich entwarf man spezielle Wände, die durch ein raffiniertes Lattensystem das Gebäude vor Feuchtigkeit und Regennässe schützen.

Trotz schlechtem Start bestes Bautempo
Zum Sommersemester 2017 begannen schließlich im strömenden Regen die Bauarbeiten mit der Fundamentierung der Fläche. „Es war wirklich alles nass und matschig, der Bagger ist erst einmal im Boden versunken – die ersten Tage versprachen nichts Gutes“, so Wolfgang Zeh, ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl und einer der beiden Projektleiter. Doch man habe großes Glück gehabt: Nach einer ersten katastrophalen Woche änderte sich das Wetter schlagartig, sodass das Studierendenteam richtig durchstarten konnte. Vom gesamten Bauprozess zeigte sich Zeh begeistert. „Ich bin verblüfft darüber, wie schnell und mit wie viel Eigeninitiative die Studierenden hier tätig waren. Ich hätte nie gedacht, dass wir die Werkstatt in dieser kurzen Zeit fertigstellen!“ Einige der angehenden Architekten verfügten bereits über hervorragende Kenntnisse, so hatte man beispielsweise einen gelernten Zimmermann und eine Schreinerin im Team, die wertvolles Know-how und eine hohe Fachlichkeit mitbrachten. Ein weiterer Pluspunkt sei gewesen, so Zeh, dass es dank der Sponsoren zu keiner Zeit an Baumaterial gemangelt habe. Neben dem Studierendenwerk, das das Projekt komplett finanzierte, fand sich beispielsweise eine Firma, die Stroh und Lehm „für lau“ lieferte. „Es ist natürlich immer toll, wenn man so unterstützt wird, und es ist dann schon sehr beeindruckend, wenn sich der Parkplatz vor der Kita dann plötzlich in eine Strohwiese verwandelt“, erinnerte sich Zeh. Einiges an Holz bekamen die Studierenden darüber hinaus aus Restbeständen der Hochschule.

Eine der Projektmitarbeitenden war die 21-jährige Sarah Ioanidis, Architekturstudentin im fünften Semester. „Von Anfang an mit dabei zu sein und bis zum Ende an der Umsetzung der Entwürfe zu arbeiten, ist einfach eine sehr schöne Erfahrung. Jetzt das Ergebnis zu sehen, macht uns schon stolz. Toll war, dass alles so super strukturiert war – jeder hatte sein Aufgabengebiet und konnte sich seinen Fähigkeiten entsprechend einbringen.“

Gelungene Kooperation
Darin, dass das Projekt von den Vorbereitungen bis hin zur Umsetzung rundum gelungen ist, war sich Bernadette Heiermann mit Dirk Reitz, Geschäftsführer des Studierendenwerks, Wolfgang Dachtera und Gaby Schneider, Fachbereichsleiterin Kindertageseinrichtungen des Studierendenwerks, einig. „Der allerschönste Moment ist, wenn alle Beteiligten zusammenkommen und gemeinsam das fertige Werk feiern können. Besonders gefreut hat uns das schöne Zusammenspiel zwischen Hochschule, Studierendenwerk und Kita“, sagte sie bei ihrer Dankesrede. Beteiligt seien aber auch noch viele andere wie beispielsweise zahlreiche Bauunternehmen und das Sozialwerk Aachener Christen, das man in der Spätphase des Baus für die „Grundstücksmodellierung“ miteinband. Letzterem dankte besonders Wolfgang Dachtera. „Die bewachsenen Grundstücksflächen von Büschen zu befreien und glatt zu ziehen, war kein einfacher Job. Wir sind immer sehr dankbar für solche Kooperationen, und wir freuen uns, dass wir das neue Häuschen nun auch von unserem Hauptgebäude aus sehen können.“ Dirk Reitz war vor allem von dem langlebigen Nutzen der neuen Werkstatt überzeugt: „Aufgrund seiner nachhaltigen Bauweise ist dieses Haus ein zukunftsweisendes Objekt – daran werden sich sicherlich noch viele Generationen erfreuen!“

Nach der feierlichen Eröffnung durch Kita-Erzieherin Regina Cormanns durften die gespannten Gäste das Konstrukt dann auch von innen begutachten. Und tatsächlich trifft die Bezeichnung „Werkstatt“ buchstäblich den Nagel auf den Kopf: Zwei mobile Werkbänke und ein – noch – ordentlich eingeräumter Werkzeugschrank mit kindgerechten Hämmern, Sägen, Schraubenziehern und Farbtuben lassen schon die Allerkleinsten kreativ werden. Licht kommt nicht nur von oben, vom architektonisch reizvoll wirkenden Spitzdach, sondern auch durch zahlreiche Fenster, die zum Schutz der Kinder aus dickem Sicherheitsglas gefertigt wurden. Und natürlich bestätigt sich der Inhalt einer weiteren Strophe des neu erfundenen Handwerkerlieds: „Wir sind stolz, wir sind stolz, ja, auf das Douglasienholz.“

 

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