Beitrag: Elternunabhängies Bafög nach Ausbildung

Absender:Jens Graf
Datum:16.01.2007
  1. Jens Graf16.01.2007
    Hallo! Erstmal großes Lob an dieses Forum, bin echt begeistert! Nun zu meinem Fall: Ich bin 23 Jahre alt und habe von meinem 16 - 19 Lebensjahr eine Ausbildung zum Zimmerer absolviert. Anschliessend habe ich noch ein halbes Jahr als Geselle in meinem Ausbildungsbetrieb gearbeitet, dabei jedoch gemerkt, dass ich diesen Beruf keinesfalls mein ganzes Leben lang ausüben möchte. So habe ich meinen Wehrdienst verrichtet und anschliessend die Fachoberschule besucht um die Allgemeine Fachhochschulreife zu erhalten. In dieser Zeit habe ich Schüler-Bafög erhalten. Ursprünglich plante ich, ab dem Sommersemester 2006 Bauingenieurwesen zu studieren, jedoch musste ich diese Pläne aus privaten Gründen aufgeben, so dass ich zeitweise arbeitslos war, die Technikerschule für 2 Monate besuchte (in dieser Zeit Meister-Bafög erhielt) und auch wieder regulär als Zimmermann und als Fachberater in einem Baumarkt gearbeitet habe. Wärend meiner Ausbildung zum Zimmerer, sowie wärend der Fachoberschule wohnte ich bei meinen Eltern. Als ich auf der Technikerschule war und wieder regulär gearbeitet habe, wohnte ich mit meiner Ex-Freundin zusammen. Nun wohne ich seit wenigen Monaten wieder bei meinen Eltern und beabsichtige ab kommenden Sommersemester wie ursprünglich mal geplant Bauingenieurwesen zu studieren. Wohnen werde ich weiterhin bei meinen Eltern. Wie sind die Chancen elternunabhängiges Bafög zu erhalten? Die vorgeschriebenen sechs Jahre eigenen Verdienst nach der Ausbildung habe ich noch nicht zusammen, aber meine Eltern sind doch nur für eine erste berufsqualifiziernde Ausbildung unterhaltspflichtig und die habe ich doch schon hinter mir. Das ist doch jetzt eine zweite Ausbildung und für die können meine Eltern doch wohl kaum in die Unterhaltspflicht genommen werden, oder? Wie gehe ich jetzt am besten vor? Wie argumentiere ich bei Antragsstellung bzw. wie sollte ich mit der Antragsstellung am besten verfahren um die Bearbeitungszeit so kurz wie möglich zu halten? Für die Antworten bedanke ich mich im Voraus! Mit freundlichen Grüßen Jens Graf
  2. BAföG-Team17.01.2007
    Die Voraussetzungen für die elternunabhängige Förderung gem. § 11 Abs. 3 BAföG sind nicht erfüllt. Deshalb wird deine Afö. zunächst elternabhängig ermittelt. Aus diesem Grunde müssen deine Eltern die Erklärung nach F 3 über die aktuellen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Jahr 2005 mit Einkommensnachweisen vorlegen. Wenn sich danach vom Einkommen deiner Eltern angerechnete Beträge ergeben, die nicht geleistet werden, können insoweit Vorausleistungen beantragt werden (F 8). Da du aber weiter bei den Eltern wohnst, dürfte die Gefährdung der Ausbildung infolge Nichtleistung von Unterhalt nur gering sein, wenn deine Eltern Unterhalt in Form von Sachbezügen gewähren (Unterkunft und Verpflegung). Im Rahmen des Vorausleistungsverfahren hat das Amt dann zu bewerten, ob die Eltern bei deinem Bildungsgang noch unterhaltspflichtig sind. Das dürfte nicht der Fall sein, da du über den II. Bildungsweg zum Studium gekommen bist.
  3. Jens Graf17.01.2007
    Ok, erstmal danke für die schnelle Antwort! Verstehe ich das richtig, dass ich also einen normalen Antrag auf elternabhängiges Bafög stellen muss, mit dem Hinweis dass meine Eltern sich nicht in der Unterhaltspflicht sehen wegen meiner ersten Ausbildung und deshalb die Einkommensbescheinigungen nicht ausfüllen wollen. Zusätzlich beantrage ich gleichzeitig Vorauszahlungen. Dann wird das Amt auf meine Eltern zu kommen, dabei feststellen , dass sie wegen meiner ersten Ausbildung tatsächlich nicht mehr Unterhaltspflichtig sind und keine weiteren Forderungen mehr an meine Eltern stellen? Zusammen gefasst: Ich beantrage Bafög mit dem Hinweis einer Zahlungsverweigerung meiner Eltern. Aufgrund der Zahlungsverweigerung beantrage ich Vorausleistungen. Meine Eltern werden vom Amt kontaktiert. Meine Eltern argumentieren dass ich bereits eine Ausbildung habe und sie deswegen nicht mehr zum Unterhalt verpflichtet sind. Das Amt kommt zu dem selben Schluss. Das Amt wird von meinen Eltern keine weiteren Zahlungen mehr verlangen. Ich bekomme die volle Förderung vom Amt wie als ob ich die Voraussetzungen für eine elternunabhängige Förderung erfüllen würde. Ist das so richtig?
  4. BAföG-Team19.01.2007
    Das ist im Prinzip so richtig, aber trotzdem nicht so einfach wie sich das anhört. Zunächst wird man darauf bestehen, dass deine Eltern ihrer Erklärungspflicht nachkommen, um überhaupt das angerechnete Einkommen ermitteln zu können. Diese Erklärungspflicht kann ggf. auch zwangsweise durchgesetzt werden. Die Ämter treffen die Entscheidung über den Unterhaltsanspruch auch in der Regel nicht im Zusammenhang mit der ersten Antragstellung, sondern erst im Laufe des weiteren Verfahrens. So kann es sein, dass das Amt gegen deine Eltern zunächst auch Unterhaltsforderungen stellt (Übergangsanzeige). Bis zu dem von dir erwarteten Ergebnis ist es ein längerer Weg.
  5. Jens Graf19.01.2007
    Na das lässt ja hoffen! :-) Danke nochmal für eure schnelle Hilfe!!
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