Beitrag: Vorausleistungsantrag

Absender:Jenny
Datum:13.07.2017
  1. Jenny13.07.2017
    Guten Tag, ich möchte gerne erfahren, ob es für mich grundsätzlich möglich ist, eine elternunabhängige Förderung durch einen Vorausleistungsantrag zu erhalten. Meine Eltern haben bereits meine erste Ausbildung finanziert und sind nicht dazu bereit, mein Studium zu bezahlen. Ich hoffe daher sehr, dass es möglich ist. Mein Lebenslauf: 2013 - Abitur 2013-2016 - Ausbildung als Kauffrau für Bürokommunikation (3 Jahre) 2016-2017 - Vollzeitstelle als Kauffrau für Bürokommunikation (1 Jahr) WiSe 2017 - Geplantes Studium Wirtschaftsinformatik Ich bin mir nun unsicher, ob ein Jahr zwischen den beiden Ausbildungen dafür ausreicht, dass kein zeitlicher Zusammenhang besteht? Unterscheiden sich die beiden Ausbildungen klar fachlich voneinander, schließlich zählt Wirtschaftsinformatik auch zum Fachbereich Informatik? Faktisch ist es so, dass ich mir zu Beginn meiner Ausbildung im Jahr 2013 noch nicht sicher war, in welche Richtung es für mich weiter gehen soll. Der Weg Abi-Ausbildung-Studium war also keineswegs vorhersehbar. Über eine kurze Beratung würde ich mich sehr freuen. Vielen Dank und freundliche Grüße Jenny
  2. BAföG-Team13.07.2017
    Das dürfte in beiden Bereichen, die für eine Entscheidung relevant sein könnten, grenzwertig sein. Der fachliche Zusammenhang zwischen der bgetrieblichen Ausbildung und dem geplanten Studium sehen die Gerichte in den Schule-Abitur-Lehre-Studiumfällen weitläufig. Der zeitliche Abstand zum nunmehr aufzunehmenden Studium beträgt ein Jahr bis 18 Monaten. Unsere Einschätzung: Stelle in Abstimmung mit deinen Eltern den Vorausleistungsantrag. Nach Abschätzung der uns bekannten Fakten dürfte die Durchsetzung eines weiteren Ausbildungsunterhaltsanspruch für das Studium problematisch werden. Im Ergebnis dürfte dann "elternunabhängig" gefördert werden. Ein gewisses Prozessrisiko ist natürlich vorhanden.
  3. Jenny13.07.2017
    Hallo, vielen Dank für die superschnelle Antwort. Wie würde die Antragsstellung nun ablaufen? Im Internet habe ich gelesen, dass eigentlich zuerst ein normaler BAföG-Antrag gestellt wird und erst nach Rückmeldung zu diesem das Formblatt 8 eingereicht wird. Kann ich diesen Schritt überspringen und direkt das Formblatt 8 mitschicken? Würde ich dazu auch eine schriftliche Erklärung von mir oder meinen Eltern beilegen, in der ich den aus meiner Sicht nicht vorhandenen zeitlichen und fachlichen Zusammenhang schilder? Wenn ja, habt ihr hierfür Beispiele oder Tipps? Und was wäre, wenn dennoch ein Unterhaltsanspruch festgestellt wird - soweit ich weiß, ist dann eine Rückzahlung mit einer Verzinsung von 6 % zu leisten. Habt ihr Erfahrungen, wie lange es dauert, bis der Unterhaltsanspruch abschließend geprüft wird? Sollten mehr als sechs Monate üblich sein, wäre es leider nochmal riskanter, den Vorausleistungsantrag "auf gut Glück" zu stellen. Fragen über Fragen... danke nochmal!
  4. BAföG-Team14.07.2017
    Grundsatz: Wir empfehlen dir, den Vorausleistungsantrag zu stellen. Bis endgültig feststeht, ob deine Eltern noch ausbildungsunterhaltspflichtig sind, kann nur gerichtlich entschieden werden. Das dauert Jahre. Ob es aber so weit kommt, entscheidet jedes Amt in eigener Verantwortung, weil auch diese das Prozessrisiko tragen müssen. Das hört sich dramatisch an, ist aber in deinem Fall ein logischer Weg. Verfahrensweise: Du stellst Formblatt 8 mit dem Erstantrag und fügst eine formlose Erklärung der Eltern über die nicht mehr bestehende Unterhaltspflicht und Weigerung, für das geplante Studium aufzukommen bei. Deine Elten berufen sich auf die Grundsatzentscheidung des BGH und stellen fest, dass weder eine Sachidentität zwischen der Ausbildung als Kauffrau für Bürokommunikation und dem Studium besteht, noch der zeitliche Zusammenhang nach Ablauf eines Jahres nach Beendigung der 1. Ausbildung und Aufnahme des Studiums besteht. Gleichzeitig teilst du dem Amt mit, dass mit Ablauf der betrieblichen Ausbildung keine weitere Ausbildung geplant war. Das Amt wird deine Eltern anhören, die aber bei ihrer Einstellung bleiben. Dann erhälst du Vorausleistungen. Das Amt hat zu prüfen, ob die vorausgeleisteten Beträge von den Eltern zurückverlangt werden können. In der Regel werden die Eltern aufgefordert, die vorausgeleisteten Beträge zu erstatten. Weigern sich die Eltern , muss das Amt entscheiden, ob der Anspruch gerichtlich durchgesetzt werden kann. Das ist für ein Amt eine große Hürde, denn es muss das Prozessrisiko voll mit tragen. Deine Aufgabe ist, das gesamte Verfahren vertrauensvoll mit deinen Eltern durchzusprechen. Die Zinsforderung steht im Raum. Wenn der Unterhaltsanspruch dem Grunde und der Höhe nach gerichtlich festgelegt wird, gibt es einen enormen Spielraum, den deine Eltern ausnutzen können.
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