Kinder
Denken und Lachen unter einem Dach
Noch braucht es ein wenig Fantasie, um zu erkennen, wie besonders dieser Bau einmal werden wird. Am Donnerstag wurde am Campus Melaten Richtfest gefeiert, die RWTH errichtet dort ein KiTa- und Bürogebäude. Das Studierendenwerk Aachen übernimmt die Trägerschaft in der neuen Kindertagesstätte.
Weiß wird das sechsgeschossige Gebäude einmal sein, mit vielen kleinen Fenstern und in den unteren Etagen komplett mit freundlichem hellen Holz verkleidet. Seine Lage ist außergewöhnlich mit weitem Blick in Richtung Uniklinikum, die Bauweise ist ebenso besonders: In Holz-Hybridweise wird das Gebäude errichtet, es genügt modernsten Energiespar-Anforderungen. Holz-Hybrid bedeutet, dass sehr viel mehr Holz verwendet wurde, als noch bis vor kurzem möglich – Brandschutzgründe sprachen dagegen, inzwischen ist das Material so weit, dass bedenkenlos und sicher so gebaut werden kann. „Somit ist dies eins der innovativsten Gebäude in Nordrhein-Westfalen“, sagte Professor Burkhard Walter (Walter + Reif Ingenieurgesellschaft), verantwortlich für Tragwerksplanung, Baustatik und Brandschutz. Durch den intensiven Holzeinsatz sowie viele weitere Maßnahmen – wie den Verzicht auf große Glasfassaden – wird das Gebäude mit dem Energiestandard „Effizienzhaus 40 EE“ errichtet, der Energiebedarf liegt also bei lediglich 40 Prozent eines vergleichbaren Standardhauses.
„KiTa- und Bürogebäude am Campus Melaten – das hört sich nüchtern an, es steckt aber reichlich Leidenschaft dahinter“, wusste RWTH-Rektor Professor Ulrich Rüdiger zu berichten. Er erinnerte sich noch gut an die Möglichkeiten zur Kinderbetreuung, als er mit seiner Frau in den 90er-Jahren nach Aachen kam, selbstorganisiert am Annuntiatenbach sei die Betreuung gewesen. Inzwischen habe sich das Verständnis für Familie und Karriere sehr viel weiterentwickelt. „Hochschule bedeutet immer auch Verantwortung“, so Professor Rüdiger. Fünf KiTas für die Hochschulbeschäftigten in Wissenschaft, Technik und Verwaltung gäbe es bereits, „wir investieren gerne in eine wertschätzende Arbeitsumgebung, denn es sind die Menschen, die die RWTH zu dem machen, was sie ist.“ Typischerweise falle die Phase der Familienbildung mit wissenschaftlicher Qualifikation zusammen. Daher setzte sich die RWTH seit Langem erfolgreich für Chancengerechtigkeit und die Vereinbarkeit von Beruf, Studium und Familie ein und ist zertifizierte familiengerechte Hochschule.
Die Fertigstellung des Gebäudes ist für das Jahr 2027 geplant. Es wird mit einer Wärmepumpe (betrieben mit nachhaltigem Strom) und Photovoltaik auf dem Dach ausgerüstet werden. Die ersten beiden Etagen sind für die KiTa vorgesehen, Herzstück ist ein „Luftraum“ (Architekt David Koenigsfeld, Heinle Wischer Architekten), eine Art Atrium im Innern, der die beiden Etagen miteinander verbindet und als zentrale Spielhalle dienen wird. Auf rund 1500 Quadratmetern Nutzfläche werden 120 Kinder in acht Gruppen Platz finden. Betrieben wird die KiTa im Auftrag der RWTH vom Studierendenwerk. Dessen Geschäftsführer Sebastian Böstel ist bereits voller Vorfreude: „Was für ein tolles Gebäude, wir freuen uns sehr darauf, dies schon bald betreiben zu dürfen.“ In die oberen vier Etagen werden die RWTH-Geographen mit fünf Instituten einziehen. Ihnen stehen 2500 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung, ein nach außen sichtbares Zeichen der Mieter im Innern wird eine Wetter- und Messstation auf dem Dach des Gebäudes sein. Die „spannende Mischnutzung dieses prägnanten Solitärbaus“ (David Koenigsfeld) brachte der Zimmermann (Zimmerei Bald) mit seinem Richtspruch bestens zum Ausdruck: „Ein Raum für Arbeit, wo gedacht wird, ein Raum für Kinder, wo gelacht wird.“